The German Section of the Department of Modern Languages and Literatures

Deutsch 205:Einführung in die Literatur
Einführung

 

Einführung in die Deutsche Literatur ( Teil 1)
I. Allgemeines

 Wodurch unterscheiden wir Literatur von Dichtung?
Die Literatur ist allgemeiner, umfassender als die Dichtung.
Sie bezeichnet urpsrünglich nur schriftlich festgehaltene Sprache

 Wie unterscheidet sich Sachliteratur von schöner Literatur oder Dichtung?

litteratura = Buchstabenschrift--später vor allem geformte Sprachäußerungen bzw. juristische, medizinische, grammatische Abhandlungen d.h. juristische Literatur usw.
Sachliteratur.


Literatur wird häufig nach ästhetischen Gesetzen geformt, in erster Linie aber nach logischen, wie in der Darstellung von sachlichen Gehalten.

Wo sie nicht mehr in erster Linie ein praktisches Ziel verfolgt, sondern vor allem Erlebnisse vermitteln will, sprechen wir von schöner Literatur oder Dichtung.


In der Dichtung ist Schönheit der Sprache oft wichtiger als ihre Logik:
Der emotionale Gehalt (Erlebnis,Stimmung) spielt zumeist eine größere Rolle als der rationale(praktische Zweck).
Der Verfasser drückt seine eigenen Gefühle und Erlebnisse aus, oder er erschafft eine Phantasiewelt (Fiktion).

In der Literatur: was dargestellt wird---- In der Dichtung: wie etwas gestaltet wird.

 Literat, Schriftsteller:
jemand, der Literatur schreibt
 Dichter:
 
jemand, dem es gelingt, mit der Sprache eine von der Wirklichkeit relativ unabhängige und doch bedeutungsvolle Welt zu schaffen, d.h ein Sprachkunstwerk.

Literaturwissenschaft untersucht und beschreibt im weiteren Sinne alle geformten Sprachgebilde-- im engeren Sinn nur die Dichtung- oft als Dichtungswissenschaft bezeichnet.

Hauptzweige der Literaturwissenschaft:
1. Die Literaturgeschichte: erforscht die historischen Einzelheiten und Zusammenhänge bestimmter Dichtungen und Dichtungsgruppen.
2. Die Poetik: interessiert sich mehr für das, was für jede Dichtung charakteristisch ist, und für ästhetische Gesetze, die in der Dichtung wirken.
Sie ist oft ein Spezialgebiet der Ästhetik.( die Wissenschaft vom Schönen)
Ästhetik ist ein Zweig der Philosophie. In der Poetik wirken also literaturwissenschaft and Philosophie zusammen. Durch Interpretation und philosophische Besinnung werden die Wirkungsgesetze des Schönen untersucht.

Literaturwissenschaft

Philosophie

 Literaturgeschichte

Poetik

Ästhetik


Welche anderen Wissenschaften haben großen Einfluß auf die Literaturwissenschaft?
Psychologie
mit den Teilgebieten Sprachpsychologie und Sprechkunde
Sprachpsychologie: beschäftigt sich mit allen sprachlichen Äußerungen des Menschen.
Sprechkunde beschäftigt sich mit der gesprochenen Sprache z.B. Dichtungsvortrag, Redekunst und Gespräch.
Sprachwissenschaft oder Linguistik: Sprache als Rohmaterial
Soziolinguistik : soziale Anschauungen, Denkgewohnheiten und Verhältnisse, die in der Sprache zum Ausdruck kommen und überliefert werden.

Es gibt auch weitere losere Verbindungen:
Medizin-- Logopädie(Sprachheilkunde)-Stilistisk, Metrik
Psychologie--Sprachpsychologie--Sprechkunde--Metrik
Verslehre von der Musikwissenschaft und der Linguistik


Drei Zweige der Literatur- und Sprachwissenschaft 
 1. allgemeine:behandelt methodologische und allgemeine Fragen
  2. vergleichende: vergleicht verschiedene Sprachen und Literaturen
 3. spezielle: beschränkt sich auf eine Sprache oder Sprachgruppe

 diachronisch: historisch orientiert  synchronisch: vergleichend systematisch



Philologie: Beschäftigung mit der Literatur unter besonderer Berücksichtigung linguistischer Gesichtspunkte.
Eine Verbindung von Sprach- und Literaturwissenschaft.
Altphilologie, Anglistik, Romanistik, Slawistik, Germanistik (Altgermanistik,Neugermanistik)

Poesie: alle poetische Literatur, also die Dichtung
Literatur
Sachliteratur
Poesie (Dichtung, schöne Literatur)
Sachprosa
dichterische Prosa
Versdichtung

Versdichtung- ist stärker geformt als dichterische Prosa.
Es gibt zwei Arten von Rhythmus: Sprechrhythmus und Metrisches Schema, bei dem der Rhythmus nicht nur nach Sätzen und Satzblöcken eingeteilt ist, sondern auch nach Zeilen(Versen), Strophen, und Metrik
Wie teilen wir die Dichtung ein?

 1. Entstehungszeit-Literaturperioden

 2. Verfasser-Personalstil

 3. Werke selbst-immanente Interpretation

Alle drei Gesichtspunkte sind berechtigt.


Wenn wir von den Werken selbst ausgehen, hat eine Interpretation drei Hauptschichten.
 1. Inhalt
 
( Stoff, Handlung "plot", die erzählte Geschichte, das dargestellte Milieu)
 2. Gehalt
(Aussage, Bedeutung, Lehre, Zweck, "message", Erlebnis, Stimmung, Wirkung des Inhalts in einer bestimmten Gestalt)
 3. Gestalt
(Form, Bau, Darstellungsweisen, Ausarbeitung des Inhalts)

In jedem Kunstwerk verbinden sich alle drei auf besondere Weise zur Struktur
Jede Dichtung hat ihre besondere und ihre einmalige Struktur

Gattung: die typische Begegnung von Inhalt, Gehalt und Gestalt zur Struktur, die oft wiederholt und abgewandelt wird, ohne dabei ihre Eigenart zu verlieren.
Gattungen können sich umbilden, bleiben aber in der Grundstruktur gleich.
Jede Dichtung hat ihre besondere Struktur und gleichzeiting die Grundstruktur der Gattung, zu der sie gehört.

Wie teilen wir die Gattungen ein?
Man kann von dem Inhalt, dem Gehalt oder der Gestalt ausgehen, oder vom Zweck, den die Gattung im menschlichen Leben erfüllen.
Hauptdarstellungsweise des Dichters: (z.B.Lyrik = Gesang, Epik = Erzählung, Drama = Dialog)

Die moderne Poetik ( Staiger, Kayser) teilt die Gattungen zuerst nach den psychologisch- anthropologischen Grundhaltungen ein, die sich in ihnen besonders stark auswirken. Meistens drei, (1) das lyrische,(2) das epische,(3) das Dramatische-- vielleicht eine vierte publikumsbezogene(didaktische Lit)
Alle wirken in jeder Dichtung zusammen-- eine aber dominiert jeweils über die anderen.
Die domininerende Grundhaltung bestimmt, zu welcher Gruppe eine Gattung zunächst gehört:

Die drei Grundbegriffe sind: Lyrik, Epik Dramatik

Wieviele Gattungen gibt es? Früher gab es kaum mehr als zwanzig------ jetzt gibt es zehnmal soviele
Man könnte eine Untergliederung der Gattungen verwenden.
Dann müssen wir die Begriffe Art und Typ verwenden.

Zum Beispiel:
Bauerndrama (Art) - Drama(Gattung)-Dramatik(Grundbegriff)
Detektivroma(Typ)-Kriminalroman(Art)-Roman(Gattung)- Epik(Grundbegriff)



 
 Was verstehen wir unter den lyrischen, epischen und dramatischen Grundhaltungen?

 lyrisch:

 Der Dichter hat am wenigsten Abstand von seinem Stoff, d.h. seinem Erleben. Er ist im eigenen Gefühl befangen und sucht klangvolle Worte, um es auszudrücken.
Eine logische Konstruktion ist nicht so wesentlich/
Dinge gelten als Symbole für die eigene Innenwelt

 episch:

 Der Dichter rückt vom Stoff ab.
Er fasst ihn beobachtend und schildernd ins Auge und stellt etwas dar.
Er erkennt Dinge, die mit ihm selbst unmittelbar nichts zu tun haben.
Der Dichter braucht das treffende und genau ausmalende Wort.
Er ist nicht erregt wie der Lyriker, sondern ruhig und gelassen.
Er kann sich in die vielen kleinen Einzelhheiten des Lebens vertiefen.
Er braucht mehr Raum.
Er verschwindet oft völlig hinter seinen Figuren.
Er bleibt oft reflektierend oder belehrend mit dem Leser in Kontakt.

 dramatisch:

 Eine Handlung läuft nach logischen Gesetzen ab, in denen die Zeit eine Rolle spielt.
Spanniung entsteht

Alle Grundhaltungen hängen zusammen und wirken sich auf die Gattungen aus, die von ihnen geprägt werden

Grunderlebnisse: tragisch, komish grotesk, absurd, ironisch
Die Tragödie und die Komödie werden nach Grunderlebnissen festgelegt.
Sind sie Arten der Gattung Drama oder selbständige Gattungen?

Epik

Nach der Länge eingeteilt: A. Kurzepik(Kleinepik) und B. Großepik
A. Kurzepik
1. Anekdote
- Sie ist die kürzeste Form
Sie ist mit der Kurzgeschichte und der Novelle eng verwandt
Sie berichtet eine besondere Begebenheit mit einem pointenartigen Schluß.
Sie veranschaulicht oft die Eigenart einer historischen Persönlichkeit durch einen witzigen Ausspruch.
Die Handlung ist nur wichtig, um eine Eigenart hervortreten zu lassen.
Sie stellt einen Moment dar und hat nur eine Szene.

2. Märchen: Es hat einen schlichten Stil.
Es vermischt das Wahrscheinliche mit dem Wunderbaren und Magischen.
Die Figuren sind nur Typen.
Es gibt keine logisch differenzierten Charaktere.
Sie lernen nichts aus ihren Erfahrungen.
Die Guten kommen zum Glück, und die Bösen werden grausam bestraft.
Es gibt keine gemischten Charaktere.
Es hat einen dreigliedrigen Aufbau: Ausgangssituation-Mittelstück-Schluß
Es gibt 2 Hauptmärchentypen: A.Volksmärchen B.Kunstmärchen

3. Sage: Sie behandelt eigenartige Naturerscheinungen, historische Ereignisse und Personen und unheimliche Phantasieerlebnisse.
Sie wollen für wahr gehalten werden.
Sie berufen sich auf Augenzeugen.
Sie sind realistisch und oft pessimistisch
Es gibt zwei Haupttypen: A. Helden- und B. Göttersagen

4. Legende: Die christliche Form der Heldensage
Sie erzählt von Märtyrern und Heiligen
Sie haftet an der Wirklichkeit
Sie hat einen erbaulich-didaktischen Charakter

5. Schwank- Eine realistisch-derbe Erzählung eines Streiches
Der Gehalt ist problemlos.
Wir empfinden Schadenfreude über die angeführte Person.
Hauptthemen: eheliche Untreue, Dummstellen, ertappte Betrüger usw.
Auch im Drama: Fastnachtsspiel, Posse.

6. Geschichte und Erzählung:
Die Länge dieser Gattungen steht zwischen der der Sage und der Novelle
Sie haben nicht den pointierten Schluß der Anekdote
Die Erzählung ist eine bewusster gestaltete Geschichte
Die Geschichte reiht Geschehen an Geschehen.
Die Erzählung hat oft einen Rahmen.wie die Novelle.
Sie schildert kurze Szenen.
Wie der Roman ist sie durch Reichtum an Handlung, Ausgestaltung von Einzelheiten und seelische Entwicklung der Personen bestimmt.
Darum wird lockerer berichtet als in der Novelle.
Es wird öfter auf den Hörer Bezug genommen.

7. Kalendergeschichte: Sie kommt aus illustrierten Zeitschriften-Hauskalendern-
Sie erzählt in einfachem Plauderstil merkwürdige Begebenheiten, die sich irgendwo in der Welt ereignet haben.
Sie will unterhalten und belehren.

8. Kurzgeschichte: (short story) im Englischen auch oft für Novelle verwendet
Darstelluung eines entscheidenden Handlungsmoments oder einer zugespitzten Situation ohne Einleitung und Abschluß.
Sie verhindert jede Entwicklung der Charaktere.
Der Stoff kommt aus dem Alltag
Sie zeigt die moderne Welt in ihrer Problematik und Absurdität.
Sie wirft Fragen auf, deren Antworten der Erzähler selbst finden muß.
Sie zielt auf Erschütterung und Aktivierung des Lesers
Sie kann einen didaktischen Zug haben.
Sie knüpft an die historische Wirklichkeit wie die Anekdote und kann in einer Pointe enden.
Sie kann als impressionistische oder naturalistische Skizze oder als moderne Parabel erscheinen.
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B. Großepik:
1. Epos:
eine historische Form, die im 18. Jht vom Roman abgelöst wurde/
Es ist gesprochene Dichtung, die in feierlichem Versvortrag von Göttern, Helden und großen historischen Ereignissen berichtet, die ein ganzes Volk angehen.
Der Roman wendet sich mehr an den einzelnen bürgerlich fühlenden Menschen, das Epos an eine aristokratische Gemeinschaft.
Heldenepos - Leseepos (höfischen Versroman) - Legendenepos - Tierepos (komisches Epos) -Geschichtliches Epos usw.

2. Volksbuch: Eine meist anonyme Prosabearbeitung eines bekannten Stoffes für Leser, denen es mehr auf den Inhalt als auf die Form ankommt.
Es entwickelte sich 15. und 16. Jahrhundert nach der Erfindung der Druckpresse.
Bekannte Volksbücher: Dr. Faust, Der gehörnte Siegfried, Tristan, Reineke Fuchs, Till Eulenspiegel.

3. Novelle: Eine sich ereignete, unerhörte Begebenheit.(Goethe)
Sie hat oft eine Rahmenerzählung: Gruppe in Ausnahmssituation, die sich die Zeit durch Erzählungen verkürzt. Boccaccio
Sie ist kürzer als ein Roman.
Wie im Drama fällt alles Überflüssige weg.
Sie hat eine geschlossene Handlung.
Leitmotive und Dingsymbole sind wichtig.
Sie hat einen Wendepunkt.
Der Schauplatz der Handlung ist knapp, wie ein Bühnenbild gestaltet.
Der Zeitablauf ist rascher als im Roman.
Sie enthält wenig Milieuschilderung

4. Roman: Er hat mehrere Handlungsstränge und viele Schauplätze und Personen.
Er ist seit dem 16.Jht. die beliebteste epische Großform
Er beschreibt bürgerliche Einzelmenschen, ihre Umwelt und Entwicklung.
Diese Umwelt umfasst manchmal eine ganze Gesellschaftsschicht, ja eine Nation -- niemals jedoch die Götterwelt.
Der Roman beschränkt sich auf die reale Welt.
Das Psychologische ersetzt das Übernatürliche-- vieles kann ausgeführt werden.

Formale Einteilung:(3 Grundformen)

Figurenroman
Raumroman
Handlungsroman

dazu: Ichroman, Briefroman,. Autobiographie, Memoiren, Tagebuch, Chronik, usw.

Inhaltliche Einteilung:

Entwicklungsroman
Bildungs-Künstler, psychologischer, sentimentaler, Familienroman

Zeitroman
utopischer, politischer Schlüssel, Gesellschafts- Zeitgeschichtlicher, historischer, Großstadt-Dorf- Heimat-
Abenteurroman
kriminal- Wildwest-Robinsonade, Reise, Landstreicher, Schelmen, Science Fiktion

 

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