Einführung in die Deutsche Literatur ( Teil 1)
I. Allgemeines
Wodurch
unterscheiden wir Literatur von Dichtung? |
Die Literatur ist allgemeiner, umfassender
als die Dichtung. Sie bezeichnet urpsrünglich nur schriftlich festgehaltene Sprache |
Wie unterscheidet
sich Sachliteratur von schöner Literatur oder Dichtung? |
| litteratura = Buchstabenschrift--später
vor allem geformte Sprachäußerungen bzw. juristische, medizinische,
grammatische Abhandlungen d.h. juristische Literatur usw. Literatur wird häufig nach ästhetischen
Gesetzen geformt, in erster Linie aber nach logischen, wie in der
Darstellung von sachlichen Gehalten.
Wo sie nicht mehr in erster Linie ein praktisches Ziel verfolgt, sondern vor allem Erlebnisse vermitteln will, sprechen wir von schöner Literatur oder Dichtung. In der Dichtung ist Schönheit
der Sprache oft wichtiger als ihre Logik:
Der emotionale Gehalt (Erlebnis,Stimmung) spielt zumeist eine größere Rolle als der rationale(praktische Zweck). Der Verfasser drückt seine eigenen Gefühle und Erlebnisse aus, oder er erschafft eine Phantasiewelt (Fiktion). In der Literatur: was dargestellt
wird---- In der Dichtung: wie etwas gestaltet wird. |
Literat,
Schriftsteller: |
jemand, der Literatur schreibt |
Dichter:
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jemand, dem es
gelingt, mit der Sprache eine von der Wirklichkeit relativ unabhängige
und doch bedeutungsvolle Welt zu schaffen, d.h ein Sprachkunstwerk. |
Literaturwissenschaft untersucht und beschreibt im weiteren Sinne alle
geformten Sprachgebilde-- im engeren Sinn nur die Dichtung- oft als Dichtungswissenschaft
bezeichnet.
Hauptzweige der Literaturwissenschaft:
1. Die Literaturgeschichte: erforscht die historischen
Einzelheiten und Zusammenhänge bestimmter Dichtungen und
Dichtungsgruppen.
2. Die Poetik: interessiert sich mehr für das,
was für jede Dichtung charakteristisch ist, und für
ästhetische Gesetze, die in der Dichtung wirken.
Sie ist oft ein Spezialgebiet der Ästhetik.( die Wissenschaft vom
Schönen)
Ästhetik ist ein Zweig der Philosophie. In der Poetik wirken also
literaturwissenschaft and Philosophie zusammen. Durch Interpretation und philosophische
Besinnung werden die Wirkungsgesetze des Schönen untersucht.
| Literaturwissenschaft |
Philosophie
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Literaturgeschichte |
Poetik |
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Es gibt auch weitere losere Verbindungen:
Medizin-- Logopädie(Sprachheilkunde)-Stilistisk,
Metrik
Psychologie--Sprachpsychologie--Sprechkunde--Metrik
Verslehre von der Musikwissenschaft und der Linguistik
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Drei Zweige der Literatur- und Sprachwissenschaft |
| 1. allgemeine:behandelt methodologische und allgemeine Fragen |
| 2. vergleichende: vergleicht verschiedene Sprachen und Literaturen |
| 3. spezielle: beschränkt sich auf eine Sprache oder Sprachgruppe |
| diachronisch: historisch orientiert | synchronisch: vergleichend systematisch |
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Literatur
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Sachliteratur
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Poesie (Dichtung, schöne Literatur)
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Sachprosa
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dichterische Prosa
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Versdichtung
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Versdichtung- ist stärker geformt als dichterische
Prosa.
Es gibt zwei Arten von Rhythmus: Sprechrhythmus und Metrisches Schema,
bei dem der Rhythmus nicht nur nach Sätzen und Satzblöcken eingeteilt
ist, sondern auch nach Zeilen(Versen), Strophen, und Metrik
| Wie teilen
wir die Dichtung ein? |
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Wenn wir von den Werken selbst ausgehen, hat eine Interpretation drei Hauptschichten.
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1. Inhalt
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( Stoff, Handlung "plot", die erzählte
Geschichte, das dargestellte Milieu) |
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2. Gehalt
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(Aussage, Bedeutung,
Lehre, Zweck, "message", Erlebnis, Stimmung, Wirkung des Inhalts
in einer bestimmten Gestalt) |
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3. Gestalt
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(Form, Bau,
Darstellungsweisen, Ausarbeitung des Inhalts) |
Gattung: die typische Begegnung von Inhalt, Gehalt und
Gestalt zur Struktur, die oft wiederholt und abgewandelt wird,
ohne dabei ihre Eigenart zu verlieren.
Gattungen können sich umbilden, bleiben aber in der Grundstruktur
gleich.
Jede Dichtung hat ihre besondere Struktur und gleichzeiting die Grundstruktur
der Gattung, zu der sie gehört.
Wie teilen wir die Gattungen ein?
Man kann von dem Inhalt, dem Gehalt oder der Gestalt ausgehen, oder vom Zweck,
den die Gattung im menschlichen Leben erfüllen.
Hauptdarstellungsweise des Dichters: (z.B.Lyrik = Gesang, Epik = Erzählung,
Drama = Dialog)
Die moderne Poetik ( Staiger, Kayser) teilt die Gattungen zuerst nach den psychologisch-
anthropologischen Grundhaltungen ein, die sich in ihnen besonders stark auswirken.
Meistens drei, (1) das lyrische,(2) das epische,(3) das Dramatische--
vielleicht eine vierte publikumsbezogene(didaktische Lit)
Alle wirken in jeder Dichtung zusammen-- eine aber dominiert jeweils
über die anderen.
Die domininerende Grundhaltung bestimmt, zu welcher Gruppe
eine Gattung zunächst gehört:
Die drei Grundbegriffe sind: Lyrik, Epik Dramatik
Wieviele Gattungen gibt es? Früher gab es kaum mehr als zwanzig------
jetzt gibt es zehnmal soviele
Man könnte eine Untergliederung der Gattungen verwenden.
Dann müssen wir die Begriffe Art und Typ verwenden.
Zum Beispiel:
Bauerndrama (Art) - Drama(Gattung)-Dramatik(Grundbegriff)
Detektivroma(Typ)-Kriminalroman(Art)-Roman(Gattung)- Epik(Grundbegriff)
Was verstehen
wir unter den lyrischen, epischen und dramatischen Grundhaltungen? |
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Alle Grundhaltungen hängen zusammen und wirken sich auf die Gattungen aus, die von ihnen geprägt werden
Grunderlebnisse: tragisch, komish grotesk, absurd, ironisch
Die Tragödie und die Komödie werden nach Grunderlebnissen festgelegt.
Sind sie Arten der Gattung Drama oder selbständige Gattungen?
Nach der Länge eingeteilt: A. Kurzepik(Kleinepik)
und B. Großepik
A. Kurzepik
1. Anekdote- Sie ist die kürzeste Form
Sie ist mit der Kurzgeschichte und der Novelle eng verwandt
Sie berichtet eine besondere Begebenheit mit einem pointenartigen Schluß.
Sie veranschaulicht oft die Eigenart einer historischen Persönlichkeit
durch einen witzigen Ausspruch.
Die Handlung ist nur wichtig, um eine Eigenart hervortreten zu lassen.
Sie stellt einen Moment dar und hat nur eine Szene.
2. Märchen: Es hat einen schlichten
Stil.
Es vermischt das Wahrscheinliche mit dem Wunderbaren und Magischen.
Die Figuren sind nur Typen.
Es gibt keine logisch differenzierten Charaktere.
Sie lernen nichts aus ihren Erfahrungen.
Die Guten kommen zum Glück, und die Bösen werden grausam bestraft.
Es gibt keine gemischten Charaktere.
Es hat einen dreigliedrigen Aufbau: Ausgangssituation-Mittelstück-Schluß
Es gibt 2 Hauptmärchentypen: A.Volksmärchen B.Kunstmärchen
3. Sage: Sie
behandelt eigenartige Naturerscheinungen, historische Ereignisse und Personen
und unheimliche Phantasieerlebnisse.
Sie wollen für wahr gehalten werden.
Sie berufen sich auf Augenzeugen.
Sie sind realistisch und oft pessimistisch
Es gibt zwei Haupttypen: A. Helden- und B. Göttersagen
4. Legende: Die christliche Form der Heldensage
Sie erzählt von Märtyrern und Heiligen
Sie haftet an der Wirklichkeit
Sie hat einen erbaulich-didaktischen Charakter
5. Schwank- Eine realistisch-derbe Erzählung
eines Streiches
Der Gehalt ist problemlos.
Wir empfinden Schadenfreude über die angeführte Person.
Hauptthemen: eheliche Untreue, Dummstellen, ertappte Betrüger usw.
Auch im Drama: Fastnachtsspiel, Posse.
6. Geschichte und Erzählung:
Die Länge dieser Gattungen steht zwischen der der Sage und der Novelle
Sie haben nicht den pointierten Schluß der Anekdote
Die Erzählung ist eine bewusster gestaltete Geschichte
Die Geschichte reiht Geschehen an Geschehen.
Die Erzählung hat oft einen Rahmen.wie die Novelle.
Sie schildert kurze Szenen.
Wie der Roman ist sie durch Reichtum an Handlung, Ausgestaltung von Einzelheiten
und seelische Entwicklung der Personen bestimmt.
Darum wird lockerer berichtet als in der Novelle.
Es wird öfter auf den Hörer Bezug genommen.
7. Kalendergeschichte: Sie kommt aus illustrierten
Zeitschriften-Hauskalendern-
Sie erzählt in einfachem Plauderstil merkwürdige Begebenheiten, die
sich irgendwo in der Welt ereignet haben.
Sie will unterhalten und belehren.
8. Kurzgeschichte: (short story) im Englischen
auch oft für Novelle verwendet
Darstelluung eines entscheidenden Handlungsmoments oder einer zugespitzten Situation
ohne Einleitung und Abschluß.
Sie verhindert jede Entwicklung der Charaktere.
Der Stoff kommt aus dem Alltag
Sie zeigt die moderne Welt in ihrer Problematik und Absurdität.
Sie wirft Fragen auf, deren Antworten der Erzähler selbst finden muß.
Sie zielt auf Erschütterung und Aktivierung des Lesers
Sie kann einen didaktischen Zug haben.
Sie knüpft an die historische Wirklichkeit wie die Anekdote und kann in
einer Pointe enden.
Sie kann als impressionistische oder naturalistische Skizze oder als moderne
Parabel erscheinen.
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B. Großepik:
1. Epos: eine historische Form, die
im 18. Jht vom Roman abgelöst wurde/
Es ist gesprochene Dichtung, die in feierlichem Versvortrag von Göttern,
Helden und großen historischen Ereignissen berichtet, die ein ganzes Volk
angehen.
Der Roman wendet sich mehr an den einzelnen bürgerlich fühlenden Menschen,
das Epos an eine aristokratische Gemeinschaft.
Heldenepos - Leseepos (höfischen Versroman) - Legendenepos - Tierepos (komisches
Epos) -Geschichtliches Epos usw.
2. Volksbuch: Eine meist anonyme Prosabearbeitung
eines bekannten Stoffes für Leser, denen es mehr auf den Inhalt als auf
die Form ankommt.
Es entwickelte sich 15. und 16. Jahrhundert nach der Erfindung
der Druckpresse.
Bekannte Volksbücher: Dr. Faust, Der gehörnte Siegfried,
Tristan, Reineke Fuchs, Till Eulenspiegel.
3. Novelle: Eine sich ereignete, unerhörte
Begebenheit.(Goethe)
Sie hat oft eine Rahmenerzählung: Gruppe in Ausnahmssituation, die sich
die Zeit durch Erzählungen verkürzt. Boccaccio
Sie ist kürzer als ein Roman.
Wie im Drama fällt alles Überflüssige weg.
Sie hat eine geschlossene Handlung.
Leitmotive und Dingsymbole sind wichtig.
Sie hat einen Wendepunkt.
Der Schauplatz der Handlung ist knapp, wie ein Bühnenbild gestaltet.
Der Zeitablauf ist rascher als im Roman.
Sie enthält wenig Milieuschilderung
4. Roman: Er hat mehrere Handlungsstränge
und viele Schauplätze und Personen.
Er ist seit dem 16.Jht. die beliebteste epische Großform
Er beschreibt bürgerliche Einzelmenschen, ihre Umwelt und Entwicklung.
Diese Umwelt umfasst manchmal eine ganze Gesellschaftsschicht, ja eine Nation
-- niemals jedoch die Götterwelt.
Der Roman beschränkt sich auf die reale Welt.
Das Psychologische ersetzt das Übernatürliche-- vieles kann ausgeführt
werden.
Formale Einteilung:(3 Grundformen)
Figurenroman |
Raumroman |
Handlungsroman |
dazu: Ichroman, Briefroman,. Autobiographie, Memoiren, Tagebuch, Chronik,
usw.
Inhaltliche Einteilung:
Entwicklungsroman |
Bildungs-Künstler, psychologischer,
sentimentaler, Familienroman |
Zeitroman |
utopischer, politischer Schlüssel,
Gesellschafts- Zeitgeschichtlicher, historischer, Großstadt-Dorf-
Heimat- |
Abenteurroman |
kriminal- Wildwest-Robinsonade,
Reise, Landstreicher, Schelmen, Science Fiktion |
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Last updated on January 8, .2004