Lyrik

In früheren Epochen trug man Gedichte meist mit Musik (Tanzlieder, gesungene Balladen, Arbeitslieder usw.) vor.
Nach der Erfindung der Buchdruckerkunst sah man immer häufiger eine schriftliche Überlieferung von Gedichten (Leselyrik).

In der Lyrik gibt es

(a) gesungene (Kirchenlied)
(b) gesprochene (Gebet)
(c) gelesene ( moderne Lyrik : Leselyrik)


Gemeinschaftslied (z.B. Kirchenlieder, Solatenlieder, Trinklieder)
Einzellied: (Leselyrik, Buchyrik) Einzeläusserung an einen individuellen Leser/Hörer

Geistliches Lied
Weltliches Lied

Volksform: (VolklLied, Volksballade, Volksbänkelsang) Wir kennen den Verfasser nicht---- mündliche Tradition
Kunstform: (Kunstlied, Kunstballade, Kunstbänkelsang) Wir kennen den Verfasser.

Volkslied:
Es ist sprunghaft,
Wiederholungen sind nicht selten
Der Inhalt ist anschaulich und schlicht
Der Gehalt ist dem Erleben einfacher Menschen entnommen.
Die Satzfügung ist parataktisch,
Die Form ist oft ungenau (zersungen)
Die Melodie verbürgt eine gewisse rhythmische Regelmäßigkeit

Volksliedstrophe: Eine Strophe mit vier Viertaktzeilen
Meistersingerstrophe dreiteilig--ein Aufgesang mit: zwei Stollen und ein Abgesang

Aufgesang

Wie schön blüht uns der Maien,
Der Sommer fährt dahin!

1. Stollen
Mir ist ein schöns Jungfräulein
Gefallen in mein Sinn
2. Stollen
Abgesang
Bei ihr da wär mir wohl
Wenn ich nur an sie denke,
Mein Herz ist Freuden voll

Kunstform Wir kennen den Dichter.
Kunstlied:Trotz der Volkstümlichkeit bleibt es der ganz persönliche Ausdruck eines Menschen

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch

Und Freud und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd, o Sonne,
O Glück, o Lust,

O Lieb, o liebe,
So golden schön
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn,

Du segnest herrlich
Das frische Feld--
Im Blütendampfe
Die volle Welt!----(Goethe: "Mailied")

Volkstümliches Lied: Im Sturm und Drang und in der Romantik hat man die naiven Volkslieder nachgeahmt.

Ballade: Ein erzählendes Gedicht, dessen Handlung um einen Höhepunkt strukturiert ist. Das Geschehen ist häufig tragisch.

Romanze:(ursprünglich eine romanische Form) berichtet von glücklichen kriegs- und Liebesabenteurn

Humoristische Ballade: erzählt komische Vorfälle, aus denen man etwas lernen kann.

Heldenlied: berichtet zumeist Heldenschicksale ("Hildebrandslied")

Numinose Ballade: In vielen greift eine überirdische Macht (das Numinose) in Menschenschicksale ein, als Schicksal(Schicksalsballade), als Geistererscheinung (Geisterballade), oder als magische Kraft (Naturkraft/naturmagische Ballade).

Ideenballade: (deutsche Klassik) demonstriert eine allgemeine Idee.

Kunstballade: Bürgers "Lenore" (1773) (auch eine Geister- und Ideenballade
Viele Balladen entsprechen mehreren Typen gleichzeitig.
Volksballade

Erlebnislied: Gedichte in freier Strophenform, die vom Volkslied beeinflußt sind, die sich von ihm aber im Inhalt, Gehalt und Form unterscheiden.

Schlager (Gassenhauer, Hit) leichte eingängige Melodien mit einem einfachen, oft banalen Text. Durch Radio, Film und Fernsehen weit verbreitet. Nur wenige werden alt.

Das Literarische Chanson: (seit der Jahrhundertwende) ein geistreiches Gedicht, das mit Musik und Mimik so vorgetragen wird, daß die Sprache durch die Begleitung an Wirkung und Verständlichkeit nicht verliert, sondern gewinnt.
Der Text hat allein,meist keinen künstlerischen Wert.
Es wird im Cabaret, Film oder Funk vorgetragen

Couplet- Chanson
Denk stets, wenn etwas dir nicht gefällt
"Es währt nichts ewig auf dieser Welt"
Der kleinste Ärger, die größte Qual
Sind nicht von Dauer, sie enden einmal (Otto Reutter)

Couplet: Die Wirkung beruht auf der witzigen Verknüpfung der Vorstrophe und des Refrains.
Betrachtungen sind politisch oder auch gesellschaftskritisch und sind nie im erzählenden oder persönlichen Bereich.
Sie kommen immer zu allgemeinen Aussagen über menschliche Beziehungen.

Bänkelsang: der echte lebte bis zum Anfang unseres Jahrhundert auf den Jahrmärkten und Volksfesten.
Ein Erklärer steht auf einer Bank und deutet mit einem Stock auf primitive Bilder, die eine Naturkatastrophe oder einen Mord (Mordtat oder Moritat) schildern.
Er wird monoton und melancholisch vorgesungen (Bänkelsängerton).
Die Wahrheit wird beglaubigt durch das Nennen des Ortes und der Personen .
Am Ende wird eine meist naive Lehre gezogen: "die Moral von der Geschichte"

Hinrichtungslied: Ein Schwerverbrecher legt vor seiner Hinrichtung seine Lebensbeichte ab.

Song: (20er Jahre) Eine Abart des Chansons nach anglo-amerikanischem Vorbild (Shanties, Jazz)Er versuchte, die Menschenmassen für sozialistische Ideen zu begeistern. Häufig ist es schwer, Song von Chanson zu unterscheiden.

Ode: gestaltet ein starkes Gefühl in erhabenem Stil und oft mit kühler Distanz.
Feierlich werden Freundschaft, Liebe, Dichtertum, Natur, Vaterland und Gott besungen.
Strenge Strophenformen stammen von den Griechen: sapphische, alkäische, asklepiadeische, archilochische Ode

Hymne: feierlicher Preisgesang meistens zur Ehre Gottes. Sie unterscheidet sich von der Ode vor allem im Ton. In der Ode wird eine große Ergriffenheit würdevoll verkündet. Seit Klopstock in freien Rhythmen und schon deshalb ekstatischer.--früher strophisch und gereimt.

Litanei: Liebesgedicht, das eine Begeisterung für den Partner zeigt, die der religiösen Hingebeung an Gott sehr ähnlich ist. (katholische Marienlitaneien)

Dithyrambe: schwer von der Hymne abzugrenzen: im Ton noch ekstatischer.

Elegie: ursprünglich nur ein in Distichen verfasstes Gedicht. Später erhielt sie den Gehalt der Trauer und Klage (elegisch) und der Sehnsucht nach dem Idealen. Schiller: "Nänie"

Sonett: eignet sich durch seine bipolare Stuktur ( 2 Quartette und 2 Terzette, deutlich voneinander abgehoben) besonders für einen antithetischen gedanklichen Gehalt. Ein Sonettenkranz: besteht aus 15 Sonetten, von denen die ersten jeweils mit der Endzeile des vorigen beginnen. Das 15. wird von den Anfangszeilen der ersten 14 in der Reihenfolge ihres Vorkommens gebildet.

Konkrete Dichtung: Eine internationale Strömung in der modernen Lyrik.
Sie bemüht sich , die Sprache von den traditionellen Bindungen der Grammatik und der Syntax sowie vom Zwang der Kommunikation zu befreien.
Sie reduziert die Sprache auf ihre konkreten Elemente- Laut, Silbe, Einzelwort, Buchstabe- und baut aus ihnen neue, freie, Konstellationen nach rein klanglichen oder graphischen Gesetzen.
Die Sprache ist nicht das Medium der Aussage sondern diese Aussage ist selbst. meist ein audivisuelles Gebilde, das nicht nur gelesen oder gesprochen, sondern wie ein Bild als Ganzes betrachtet werden will.
Buchstabengedichte, Lautgedichte, Wortgedichte.

________w___ w
_______d__ i
_____n__ n___ n
___i___ d___ i__ d
w___________ w___ (Eugen Gomringer)

1944__ 1945
krieg__ krieg
krieg__ krieg
krieg__ krieg
krieg__ krieg
krieg__ Mai
krieg
krieg
krieg
krieg
krieg
krieg (Ernst Jandl)*

Übersichtstabelle LYRIK

vertont
Gattungen
Arten
Typen
.
Gemeinschaftslied >
Volkslied

Geistliches Lied>

Kirchenlied
.
volkstümliches Lied
Marienlied
.
Gassenhauer,Schlager
Wallfahrtslied
.
Song
Heiligenlied
.
Einzellied >
Kunstlied >
Mischlied
.
Chanson
Weihnachtslied
.
Couplet
(Kontrafaktur)
.
Weltliches Lied >
Abendlied
G
Erlebnislied
E
Liebeslied
D
Ballade
(Volksballade)
(Kunstballade)
Historisches Lied
Tanzlied
Soldatenlied
I
Heldenballade
Trinklied
Jägerlied
C
Ideenballade
Ständelied: >
Bauernlied
H
numinose Ballade >
naturmagische Ballade
Wiegenlied
Bergmannslied
T
Romanze
Geisterballade
u.s.w.
Studentenlied
E
humoristische Ballade
Schicksalsballade
Handwerkerlied
.
Soziale Ballade
.
Varieté B.(>Chanson)
.
Bänkelsang
(echter/naiver B.) >
Hinrichtungslied
.
.
(stilsierter B.)
(Salon-B) >
Varieté B. (>.Chanson)>
Moritat
.
Ode
.
Hymne
.
(Dithyrambe)
.
Elegie
.
Sonett
unvertont
(Terzine, Gasel usw. >Strophenformen
Spruch, Epigramm usw. (>Didaktik)




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Last updated on November 26, .2004