Einteilung der dramatischen Arten:
|
Figurendrama
|
Ereignisdrama
|
Raumdrama
|
Selbstverständlich vermischen sich immer Elemente aller drei Grundhaltungen.
(epische, lyrische, dramatishe)
Epische Elemente:
a. Bericht statt Aktion(Botenbericht, Mauerschau, Teichoskopie)
b. sorgfältige Ausgestaltung des historischen Hintergrundes
c. Betonung des Milieus (Umwelt) und seines Einflusses auf eine Person(besonders
im Naturalismus und bei Brecht)
d. atektonische Gliederung der Handlung in relativ selbständige Einheiten(Reihung
von Bildern)
e. Dialoge und Monologe, die erklären, aber nicht zur Handlung führen
f. Psychologisierung der Figuren
g. das klassiche Drama ignoriert das Publikum, aber in einer offenen Dramaturgie
wird das Publikum berücksichtigt--durch Couplets und Songs wird Kontakt
zwischen dem Publikum und dem Geschehen hergestellt.
Episches Theater (z.B. Brecht): weist mindestens ebenso viele didaktische
Elemente auf wie epische
Lyrische Elemente: das Stillstehen des Zeitablaufes zugunsten atmosphärischer
Reize:
a. stimmungvolle Einlagen wie Lieder und lyrische Monologe
b.poetische Sprache statt realistischer Prosa
Synthese der Elemente
Die meisten klassischen Meisterdramen verbinden alle Elemente so ausgewogen,
daß es schwerfallen würde, sie einzuordnen.
Sie verstricken eine Figur (Maria Stuart, Faust, Iphigenie, Wilhelm Tell,
Prinz von Homburg, Maria Magdalena ) in eine spannende Handlung, die
jedoch nicht banal und reißerisch wird, sondern die allgemeine Problematik
des Menschen durchscheinen läßt (Transparenz)
Analytisches Drama: Der entscheidende Vorfall hat bereits vor Einsetzen der Handlung stattgefunden und wird im Höhepunkt des Geschehens enthüllt.
Synthetisches Drama(Zieldrama): Der entscheidende Vorfall wird in der Handlung selbst vorbereitet und ereignet sich im Höhepunkt "Maria Stuart und "Maria Magdalena" vereinen beide Handlungstype
Einort-Drama: Man lässt nach griechischem Vorbild die Handlung an einem Ort ablaufen. (Klassik)
Bewegungsdrama: Man verwechselt häufig den Schauplatz (Shakespeare, Sturm und Drang, Romantik)
geschlossenes Drama: Die Handlung entwickelt sich nach vorgeschriebenem
Verlauf:
(Exposition-erregendes Moment-Steigerung-Höhepunkt-tragisches Moment-retardierendes
Moment-Katastrophe).
Es entsteht der Eindruck eines geschlossenen, unentrinnbaren Ablaufs, in dem
am Schluss keine Frage offen bleibt.
offenes Drama: Die Handlung zerfällt entweder in relativ selbständige
Episoden, die nur durch einen 'roten Faden' (ein Thema oder eine Figur) verbunden
werden, oder aber der Schluß bleibt unbestimmt und dem Nachdenken der
Zuschauer überlassen.
Motivation: Jedes neue Ereignis sollte durch ein vorhergehendes begründet
(motiviert) werden.
Außerdem müssen alle Handlungen auf verständlichen Charaktereigenschaften
der Handelnden beruhen.
Nur wenn wir alles Geschehen als notwendig und folgerichtig empfinden, kann
es uns überzeugen und ergreifen.
Im klassischen Drama darf der Dichter die Grenze zwischen dem Ungewöhnlichen
und dem Unwahrscheinlichen nicht überschreiten---Im modernen Drama werden
diese Regeln jedoch nicht mehr eingehalten.
Schauspiel/Theaterstück: ( der allgemeinste Begriff) Es wird etwas zur Schau gestellt, was nicht Wirklichkeit, sondern nur Spiel ist.
Tragödie: Sie hat sich aus den religiösen Spielen in Griechenland entwickelt. Sie gestaltet bis heute das problematische Verhältnis des Individuums zu den göttlichen und menschlichen Ordnungen, zu Traditionen, zu Tabus, zum Milieu. Das Überindividuelle, mit dem der Held ringt und an dem er zerbricht, kann auch von einem anderen Menschen (Gegenspieler) repräsentiert werden. Der Untergang des Helden sollte aber weder vollkommen sinnlos sein noch vollkommen gerechtfertigt. Wir empfinden ihn nur als tragisch, wenn er in uns Mitleid und Furcht (vor den Mächten, derentwegen er sterben muß) erweckt.
Katharsis: Der Untergang des Helden muß von allgemeinmenschlicher Bedeutung sein und die Würde des Helden wiederherstellen. Deshalb ist das tragische Erlebnis nicht deprimierend, sondern ergreifend und reinigend.
Fallhöhe:Der tragische Held ist keine mittelmäßiger Mensch. Er ragt durch, Rang, Ansehen oder Intelligenz aus seiner Umwelt hervor, und sein Fall ist darum umso bedeutungsvoller.
Tragischer Moment: Der Held handelt anfangs in Verblendung und kommt erst im tragischen Moment zum Wissen um seine Lage. Da er gefasst in den Tod geht, hat sein Ende mehr Würde als ein Unfall. Es wirkt wie eine Erlösung aus einer ausweglosen Lage, häufig auch wie die Sühne für den Versuch, eine Ordnung zu durchbrechen
Drei Komödietypen:
Charakterkomödie: |
Im Mittelpunkt steht eine Figur, die entweder auf
komische Weise entlarvt wird oder die andere Personen zum Narren hält. |
Intrigenkomödie: |
Die Handlung spielt mit ihren komischen Verwicklungen
eine größere Rolle. |
Situationskomödie:
|
In der Handlung ist alles auf groteske und komische
Situationen angelegt. In Schwänken und Possen beliebt. |
Die deutschen Namen für Tragödie und Komödie sind Trauerspiel und Lustspiel.
Tragikomödie: vermischt tragische und komische Elemente absichtlich,
um den tragisch-komischen Charakter unerer Welt zu zeigen.
Monodrama: Nur eine Person spricht, die allerding von stummen Nebenpersonen,
Chor und Film unterstützt werden kann.
Melodrama: bringt eine Sprechrolle mit Musikbegleitung.
Fastnachtsspiel: hat sich im späten Mittelalter aus Frühlingumzügen
zu kurzen derben Einaktern entwickelt. Es bringt gewöhnlich nur 3-6 Personen
(Typen) in einer schwankhaften(manchmal satirischen, meist aber zotigen) Handlung.
Episches Theater: Mit dieser Form wollte Bertolt Brecht das Publikum zum
Nachdenken über die gesellschaftlichen Verhältnis anregen. Er hoffte,
dass aus der Analyse der Wunsch zur Tat (zur Veränderung der Welt) entspringen
würde. Statt sich mit dem Helden zu indentifizieren, sollte der Zuschauer
geistig angeregt werden, aktiv mitzudenken, zu beobachten und zu vergleichen.
Verfremdungseffekt: Der Zuschauer wird immer wieder aus der Illusion
gerissen, daß die Handlung auf der Bühne die Wirklichkeit und nicht
anders vorstellbar sei. Die eigentliche Handlung wird durch historische Kommentare,
Projektionen, Songs und ähnliches unterbrochen. Deshalb kommt der Zusachauer
nie dazu, im eigentlich dramatischen Element (einer spannenden Handlung) aufzugehen.
Er muß sich zwischendurch durch poetische Einlagen(Songs) oder moralische
Reflexionen ansprechen lassen.
Absurdes Theater: verzichtet ganz auf sinnvollen Dialog, Handlung und Charaktere und begnügt sich mit symbolischen Situationen traumhafter Art.
| Schauspiel/Theaterstück |
Drama |
Tragödie/Trauerspiel |
Komödie/Lustspiel |
||
episches
Theater |
||
Volksstück |
||
Posse,
Schwank |
||
absurdes
Theater |
Drama
|
Charakterdrama
|
analytisches Drama
(Enthüllungs-Drama) |
Einort-Drama
|
geschlossenes Drama
(tektonisches.) |
|||
|
Ereignisdrama
|
synthetisches Drama.
(Entfaltungs-Drama) |
Bewegungs-Drama
|
offenes Drama.
(atektonisches.) |
|||
|
Raumdrama
|
|
Einakter
|
3 Akter
|
4 Akter
|
5 Akter (klassische Form)
|
|
Revue-Form
|
| Tragödie
|
griechische Tragödie |
Komödie
|
Charakter-Komödie |
|
römische Tragödie |
Intrigen-Komödie |
||
| Barock Tragödie |
Situations -Komödie |
||
| klassiche-Tragödie |
Lustspiel
|
Schwank |
|
| bürgerliches Trauerspiel |
dramatische Satire |
||
| soziales Drama usw. |
(Comédie larmoyante) |
||
| Unterhaltungs-Lustspiel. (Konversationsstück) |
|||
| romantisches Lustspiel |
|||
| Lustspiel im eigentlichen Sinne |
|
Tragikomödie
|
|
Sonderformen
|
||
|
Volksstück
|
commedia dell'arte
|
episches Theater
|
|
Singspiel
|
Fastnachstspiel
|
absurdes Theater
|
|
Opera buffa
|
Hörspiel
|
Kabarett
|
|
Operette
|
Film
|
Happening usw
|
|
Oper
|
Fernsehspiel
|
|
|
Musikdrama
|
||
Übersichtstabelle: DRAMATIK II
| Dramatisches Theater |
Episches Theater |
Theater des Absurden |
| 1) handelnd |
erzählend |
geschehend |
| 2) verwickelt den Zuschauer in eine Bühnenaktion |
macht den Zuschauerzum Betrachter, aber |
befremdet den Zuschauer intellektuell u. bestürzt ihn emotionell |
| 3) verbraucht seine Aktivität |
weckt seine Aktivtität |
schließt seine Aktivität aus wegen pessimistisch -resignierender Weltsicht; kaum Identifikation |
| 4) ermöglicht ihm Gefühle |
erzwingt von ihm Entscheidungen |
schließt eigene Entscheidung aus,
konfrontiert ihn mit Absurdität seiner Existenz |
| 5) Erlebnis |
Weltbild |
innere Wirklichkeit projiziert in symbolischen
Traumszenen, die Essenz des Daseins enthüllend |
| 6) Der Zuschauer wird in etwas hineinversetzt |
er wird gegenübergesetzt |
beides: er wird gefühlsmäßig
hineinversetzt, zugleich (durch groteske Verzerrungen) verstandesmäßig
hilflos gegenübergesetzt(wie im Traum) |
| 7) Suggestion |
Argument |
Konfrontation : oft Hypnose; Fragmentierung;
kein logisches Argument |
| 8) Die Empfindungen werden konserviert
|
bis zu Erkenntnissen getrieben |
verwirrt, verzerrt, pervertiert |
| 9) Der Zusachauert steht mittendrin, miterlebt |
Der Zuschauer steht gegenüber, studiert |
Zusachauer ist verwirrter oder befremdeter
Augenzeuge, oft gefühlsmäßig engagiert, nach Erklärung
suchend |
|
10) Der Mensch als bekannt vorausgesetzt
|
Der Mensch ist Gegenstand der Untersuchung
|
Der Mensch ist nicht mehr der Untersuchung wert, als willen-
und machtlose Marionette des blinden Schicksals lþcherlich gemacht oder
gar verneint
|
|
11) Der unverþnderliche Mensch
|
Der veränderliche und verändernde Mensch
|
Veränderung des Menschen ist irrelevant, da seine
Substanz abgeleugnet wird.
|
|
12) Spannung auf den Ausgang
|
Spannung auf den Gang
|
Spannung auf das Verstehen des Hergangs, die Symbolik
und Erlebensweise des Autors
|
|
13) Eine Szene für die andere
|
Jede Szene für sich
|
Nur eine Szene (verkappte Einakter)
|
|
14) Wachstum
|
Montage
|
Kollage; anscheinend willkŸrliche, sich häufig spiegelnde
Bilder mit unverbundener Traumqualität
|
|
15) Geschehen linear
|
in Kurven
|
im Kreise: keine echte Entwicklung
|
|
16) Evolutionäre Zwangs läufigkeit
|
Sprünge
|
Stagnation, Finalität
|
|
17) Der Mensch als Fixum
|
Der Mensch als Prozess
|
Der Mensch als eine Illusion, ein Reflexbündel, Marionette,
Instrument, Anti-held ohne verbindliches Wesen
|
|
18) Das Denken bestimmt das Sein
|
Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Denken
|
Denken und gesellschaftliches Sein sind irrelevant
|
|
19) Gefühl
|
Ratio
|
Traum, Rätsel, Angst, Absurdität
|
Information aus:
Wolfgang Ruttkowski und Eberhard Reichmann:
Das Studium der deutschen Literatur, Philadelphia: National Carl Schurz
Association 1974
Return to: German 105 Syllabus
Return
to: Spring 2001 Courses
Return to: The German Department at SBC.
Return to: Sweet Briar College Main Site
http://www.german.sbc.edu/syllabus105.html
This page is maintained by Dr. Ronald Horwege, Professor of German, Sweet Briar
College
Please direct comments and questions to:
Ronald Horwege, Professor of German, horwege@sbc.edu.
(434) 381-6188.
Last updated on November 26, .2004