Friedrich von Hausen(d. 1190)
KREUZLIED

Neuhochdeutsch
Mittelhochdeutsch

Mein Herz und mein Leib wollen sich trennen,
die so lange miteinander gezogen sind.
Der Leib will gerne gegen die Heiden kämpfen,
aber mein Herz hat sich eine Frau ausgesucht
vor der ganzen Welt. Seitdem quält es mich,
daB sie nicht mehr mit einander gehen wollen.
Mir haben meine Augen sehr weh getan
Gott allein kann diesen Streit schlichten.

Mîn herze und mîn lîp diu wellent scheiden,
diu mit ein ander waren nu manige zît.
der lîp wil gerne vehten an die heiden,
sô hât iedoch daz herze erwelt ein wîp
vor al der werlt. daz mŸet mich iemer sît,
daz siu ein ander niht volgent beide.
mir habent diu ougen vil getan ze leide.
got eine müese scheiden noch den strît.

Ich glaubte frei zu sein von solchem Kummer,
als ich das Kreuz zu Gottes Ehre nahm.
Es wäre auch richtig, daß das Herz dabei wäre,
wenn es ihm seine Treue nicht verbieten würde.
Ich wäre zu Recht ein lebendiger Mann,
wenn es nur seine törichte Absicht aufgeben würde.
Nun sehe ich, daß es ihm ganz gleichgültig ist,
was mir am Ende geschehen mag.

Ich wânde ledic sîn von solicher swære,
dô ich daz kriuze in gotes êre nam.
ez wære ouch reht, daz ez alsô wære,
wan daz mîn stætekeit mir sîn verban.
ich solte sîn ze rehte ein lebendic man,
ob ez den tumben willen sîn verbære.
nu sihe ich wol, daz im ist gar unmære,
wie ez mir sule an dem ende ergân.

Da ich, dich mein Herz, nicht davon abbringen kann,
daß du mich nicht ganz unglücklich verläßt,
bitte ich Gott, daB er dich schickt
an einen Ort, wo man dich gut empfängt.
O weh, wie soll es dir Armen gehen
wie wagst du, eine solche Gefahr auf dich zu nehmen?
Wer kann dir helfen, diese Sorgen zu beenden,
mit gleicher Treue, wie ich es getan habe ?

Sît ich dich herze, niht wol mac erwenden,
du wellest mich vil trûreclîchen lân,
sô bite ich got, daz er dich geruoche senden
an eine stat dâ man dich welle enpfân.
Owê! wie sol ez armen dir ergân?
wie getorstest eine an solhe nôt ernenden?
wer sol dir dîne sorge helfen enden
mit triuwen als ich hân getân?

 

Nieman darf mir das als Unbeständigkeit auslege,
wenn ich die hasse, die ich einst liebte.
Wie sehr ich sie ouch immer anflehte oder bat,
sie tut geradezu, als ob sie es nicht verstünde.
Mir kommt es so vor, als wirkten meine Worte auf sie,
Wie wenn einer vor ihren Ohren eine Trommel rührt.
Ich wäre ein Narr, wenn ich ihr ihre Torheit zu gute hielte:
das passiert mir niemals wieder.

Niemen darf mir wenden daz zunstæte,
ob ich die hazze die ich dâ minnet ê.
swie vil ich si gevflêhte oder gebæte,
sô tuot sie rehte als sis niht verstê.
mich dunket, wie ir wort gelîche gê,
als ez der summer vor ir ôren tæte.
ich wær ein gouch, ob ich ir tumpheit hæte
vür guot, es engeschiht mir niemer mê.

 

 

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