Heinrich (vonMelk?)
"Von des todes gehugede"(ca.1160)

1042 Verse - "Reimpaarpredigt"-The second part expresses "memento mori" in attacking worldly pleasures and by reminding the audience of the transitoriness of life and the approach of death it calls for penance. Heinrich was probably a lay brother at the monastery in Melk.

Mittelhochdeutsche Fassung
(597-641)
Neuhochdeutsche Fassung
(597-641)
Nû ginc dar, wîp wolgetan,
unt schowe dînen lieben man
unt nim vil vlîzlichen war
wie sîn antlutze sî gevar,
wie sîn schaitel sî gerichtet,
wie sîn har sî geslichtet;
schowe vil ernstliche,
ob er gebar icht vrlîchen
als er offenlîchen unt tougen
gegen dir spilte mit den ougen;
nu sich, wâ sint sîniu mûzige wart
da mit er der frowen hôhvart
lobet unt säite?
nû sich in wie getâner häite
diu zunge lige in sînem munde
da mit er diu troutliet chunde
behagenlîchen singen
--nûne mac si nicht fur bringen
daz wort noch die stimme-;
nû sich, wâ ist daz chinne
mit dem nIwen barthare?
nû sich, wie recht undâre
ligen die arme mit den henden
da mit er dich in allen enden
trout unt umbeviel
wâ sint die fûze da mit er gie
höfslîchen mit den frowen?
dem mûse dû diche nâch schowen
wie die hosen stunden an dem bäine;
die brouchent sich nû läider chlaine!
er ist dir nû vil fremde
dem dû ê die sîden in daz hemde
mûse in manigen enden witten.
nû schowe in an: al enmitten
dâ ist er geblæt als ein segel.
der bse smach unt der nebel
der vert uz dem uberdonen
unt læt in unlange wonen
mit samt dir ûf der erde.
owê, dirre chläglîche sterbe
unt der wirsist aller tôde
der mant dich, mensch, dîner brde.
nuo sich encît umbe,
ê dich dîn jungiste stunde 640
begrîffe diu dir ie ze furchten was.
Nun geh hin, schöne Frau,
und betrachte deinen lieben Mann
und beachte ganz genau,
welche Farbe sein Gesicht hat,
wie sein Scheitel gezogen,
wie sein Haar gelegt ist.
Sieh ganz scharf hin,
ob sein Ausdruck fröhlich ist,
wie zu der Zeit, als er dir öffentlich
und insgeheim Augen machte.
Nun sieh, wo sind die müBigen Worte,
mit denen er den stolzen Sinn der Damenwelt
pries und verkündete?
Nun sieh, wie ihm die Zunge im Munde liegt,
mit der er diese Liebeslieder gefällig
zu singen verstand:
jetzt vermag sie weder Wort
noch Ton hervorzubringen.
Nun sieh, wo ist das Kinn
mit dem frischen Barthaar?
Nun sieh, wie schwächlich
die Arme mit den Händen daliegen,
mit denen er dich überall
liebkoste und umfing!
Wo sind die Füße, auf denen er gesetzt
mit den Damen umherwandelte?
Oft hast du ihm nachsehen müssen,
ob seine Hose richtig über das Bein fiel:
Die zeigt nun leider wenig Faltenwurf!
Jetzt ist er dir ganz fremd,
dem du früher überall die Seidenfäden
ins Hemd einziehen musstest.
Nun schau ihn an: Gerade in der Mitte,
da ist er gebläht wie ein Segel.
Übler Geruch und Dunst
steigt aus dem Bahrtuch auf
und sorg dafür, daß er nicht mehr lange
bei dir auf der Erde bleiben kann.
O weh, dieses beklagenswerte Sterben
und der allerschlimmste Tod,
die mahnen dich, Mensch, an deine Hinfälligkeit.
Nun sieh beizeiten vor,
ehe dich deine letzte Stunde ereilt,
die du seit jeher fürchten muBtest.

 

 

 

 


 

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