Schmerzliche Blicke und gewaltiger Kummer
haben mir das Herz und das Leben fast zerstört.
Meine alte Not klagte ich immer wieder,
Wenn ich nicht Angst hätte vor der Spötter Zorn.
Ich singe aber von ihr, die mich früher froh machte.
So wird niemand meine Treue bezweifeln,
denn ich bin zum Singen auf die Welt gekommen.Viele sagen, ,,Nun seht, wie der singt.
Wenn er wirklich litte, täte er anders."
Sie können nicht wissen, was für Leid mich peinigt.
Nun tue ich aber recht als ich damals tat;
da ich von Leide ergriffen war, habe ich sie wenig geehrt.
Das ist eine Not, die mich zum Singen treibt.
Kummer ist nicht würdig, wo die Leute fröhlich sind.Die Wonne und Krone meines Herzens,
von allen Frauen, die ich je gesehen habe,
schön und schön und von allen die schönste
ist sie, meine Herrin, das muB ich ihr erklären.
Die ganze Welt muss sie um ihre Schönheit anbeten.
Es wäre Zeit, meine Herrin, daß du mich belohntest.
Sonst wäre das Lob, das ich ausgesprochen, nur töricht gewesen.Wenn ich vor ihr stehe und das Wunder anschaue
die Schönheit, die Gott an ihr geschaffen hat,
So gibt es für mich so vieles zu betrachten,
dass ich sehr gerne immer da stehen wollte.
O weh, da muss ich sehr traurig von ihr scheiden.
Eine so dunkle Wolke zieht heran,
dass ich von ihrem Glanze nichts mehr habe.SPIEGEL DER LIEBE
Mir ist geschehen wie einem Kindelein,
das sein schönes Bild in einem Spiegel sah.
Es griff hinein nach seinem eigenen Schein,
so stark, dass es den Spiegel ganz zerbrach.
So wurde all seine Freude ein schmerzllches Leid.
So glaubte ich, immer fröhlich zu sein,
als ich meine liebe Herrin sah,
von der ich so viel Glück und Leid bekomme.Minne, die der Welt Freude bereitet,
seht, die brachte mir im Traum die Herrin mein,
als ich im Schlafe lag,
und bei dem Anblick verlor ich mich in Freude.
Da sah ich ihren edlen Wert, ihren klaren Glanz,
schön und über alle Frauen erhöht,
Nur dass ihr roter, kleiner, freudenreicher Mund
ein klein wenig versehrt war.Davon hatte ich große Angst
daB ihr so roter, kleiner Mund so verbleichen musste.
So habe ich von neuem meine Klage begonnen
nachdem mein Herz so sehr gelitten hat,
dass ich mit meinen Augen solche Not erblicke,
wie ein Kind, das noch nicht klug genug
in einer Quelle seinen Schein erblickte
und bis an den Tod ihn lieben musste.Frauen von größerem Wert und edelerem Sinn
kann man unter dem Himmel nicht entdecken,
als die Edle, der ich zu meinem Unglück fern bleiben
und doch immer anhängen muss.
O weh, und Not, ich glaubte schon am Ziel zu sein
ihrer wunderschönen, hohen Liebe.
Nun bin ich kaum erst am Anfang.
So ist meine Freude hin und auch mein sehnender Wahn.SÜSSE TÖTERIN
O süße, sanfte Töterin,
warum wollt ihr mir den Leib töten,
wenn ich euch so vom Herzen liebe,
wirklich, Herrin, über alle Frauen ?
Glaubt ihr, wenn ihr mich tötet,
daß ich euch nimmer mehr ansehe?
Nein, eure Minne hat mich dazu gezwungen,
dass eure Seele meiner Seele Herrin ist.
Wenn ihr hier kein Glück passiert
von eurem edlen Leib,
so muss meine Seele euch behaupten,
dass sie eurer Seele dort dienen wird als
einer reinen Frau.
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