DAS LUDWIGSLIED
9. Jahrhundert
Rheinfränkisch

Einan kuning uueiz ih, Heizsit her Hluduig,
Ther gerno gode thionot: Ih uueiz her imos lonot.
Kind uuarth her faterlos. Thes uuarth imo sar buoz:
Holoda inan truhtin, Magaczogo uuarth her sin.
Gab her imo dugidi, Fronisc githigini,
Stuol hier in Vrankon. So bruche her es lango!
Thaz gideilder thanne Sar mit Karlemanne,
Bruoder sinemo, Thia czala uuunniono.
So thaz uuarth al gendiot, Koron uuolda sin god,
Ob her arbeidi So iung tholon mahti.
Lietz her heidine man Obar seo lidan,
Thiot Vrancono Manon sundiono.
Uuurdun sum erkorane, Sume sar verlorane.
Haranskara tholota Ther er misselebeta.
Ther ther thanne thiob uuas, Ind er thanana ginas,
Nam sina vaston: Sidh uuarth her guot man.
Sum uuas luginari, Sum skachari,
Sum fol loses, Ind er gibuozta sih thes.
Kuning uuas ervirrit, Thaz richi al girrit,
Uuas erbolgan Krist: Leidhor, thes ingald iz.
Thoh erbarmedes got, Uuisser alla thia not:
Hiez her Hluduigan Tharot sar ritan:
'Hluduig, kuning min, Hilph minan liutin!
Heigun sa Northman Harto biduuungan';
Thanne sprah Hluduig: 'Herro, so duon ih,
Dot ni rette mir iz, Al thaz thu gibiudist'.
Tho nam her godes urlub, Huob her gundfanon uf,
Reit her thara in Vrankon Ingagan Northmannon.
Gode thancodun The sin beidodun,
Quadhun al 'fro min, So lango beidon uuir thin'.
Thanne sprah luto Hluduig ther guoto:
'Trostet hiu, gisellion, Mine notstallon.
Hera santa mih god Ioh mir selbo gibod,
Ob hiu rat thuhti, Thaz ih hier gevuhti,
Mih selbon ni sparoti, Uncih hiu gineriti.
Nu uuillih thaz mir volgon Alle godes holdon.
Giskerit ist thiu hieruuist So lango so uuili Krist:
Uuili her unsa hinavarth, Thero habet her giuualt.
So uuer so hier in ellian Giduot godes uuillion,
Quimit he gisund uz, Ih gilonon imoz,
Bilibit her thar inne, Sinemo kunnie'.
Tho nam her skild indi sper. Ellianlicho reit her:
Uuolder uuar errahchon Sinan uuidarsahchon.
Tho ni uuas iz burolang, Fand her thia Northman:
Gode lob sageda, Her sihit thes her gereda.
Ther kuning reit kuono, Sang lioth frano,
Ioh alle saman sungun 'Kyrrieleison'.
Sang uuas gisungan, Uuig uuas bigunnan,
Bluot skein in uuangon: Spilodun ther Vrankon.
Thar vaht thegeno gelih, Nichein soso Hluduig:
Snel indi kuoni, Thaz uuas imo gekunni.
Suman thuruhskluog her, Suman thuruhstah her.
Her skancta cehanton Sinan fianton
Bitteres lides. So uue hin hio thes libes!
Gilobot si thiu godes kraft: Hluduig uuarth sigihaft;
Ioh allen heiligon thanc! Sin uuarth ther sigikamf.
Uuolar abur Hluduig, Kuning uilo salig!
So garo soser hio uuas, So uuar soses thurft uuas.
Gihalde inan truhtin Bi sinan ergrehtin.

Aus: Niemeyer Verlag Althochdeutsches Lesebuch Handschrift: Bibliothek Valenciennes

 


 

 

 

5




10




15




20




25




30




35




40




45




50




55

 

 

 

 

 

 

 

Einen König kenne ich, er heißt Herr Ludwig.
Er dient Gott gern: ich weiß, der lohnt es ihm.
Als Kind war er vaterlos; dafür bekam er bald Ersatz:
Der Herr berief ihn, sein Erzieher ward er.
Er gab ihm Tüchtigkeit, herrliche Degenschaft,
Den Thron hier in Franken; so brauch' er ihn lange
Das teilte er dann sofort mit Karlmann,
Seinem Bruder, die Fülle der Wonnen.
AIs das alles geendet ward, wollte Gott ihn prüfen,
Ob er Mühsal so Jung erdulden konnte.
Er lieB heidnische Männer über See kommen,
Das Volk der Franken ihrer Sünden zu mahnen
Einige wurden bald verloren, einige ausgewählt.
Züchtigung leidete wer früher misgelebet hatte
Wer dann ein Dieb war und mit dem Leben davon kam,
Nahm seine Fasten; danach ward er ein guter Mann.
Mancher war Lügner, mancher Raubmörder
Mancher voll Zuchtlosigkeit, und befreite slch davon.
Der König war entfernt, das Reich ganz zerrüttet,
Christus war entzürnt, dafür musste das Reich Not leiden
Doch Gott erbarmte sich dessen, er wusste all die Sorgen.
Er ließ Ludwig sofort dahin reiten:
,,Ludwig, mein König, hilf meinen Leuten!
Die Normannen haben sie hart bedrängt."
Da sprach Ludwig: ,,Herr, so tue ich
Wenn mich der Tod nicht hindert, alles, was du gebietest."
Da nahm er Gottes Urlaub,, er hob die Kriegsfahne auf,
Er ritt dahin in Frankreich gegen die Normannen.
Gott sagten Dank, die auf ihn warteten.
Sie sagten alle: Mein Herr, wie lange warten wir!
Da sprach laut Ludwig der gute:
,,Trostet euch, Gesellen, meine Notgefährten
Her sandte mich Gott und mir selber gebot
Wenn es euch gefiele, dass ich hier kämpfte.
Nun will ich, dass mir folgen alle Gottes Holden.
Auf Erde weilen wir so lange Christus will.
Will er unsere Hinfahrt, deren hat er Gewalt
Wer hier mit Kraft Gottes Willen tut,
Kommt er gesund davon, ich lohne es ihm;
Bleibt er darin, seinem Geschlechte."
Da nahm er Schild und Speer, kraftvoll ritt er,
Er wollte die Wahrheit darlegen seinen Widersachern,
Da war es nicht sehr lang, er fand die Normannen,
Gott sagte er Lob, er sieht, was er begehrte.
Der könig ritt kühn, sang ein heiliges Lied,
Und alle sangen zusammen. ,,Kyrie eleison!"
Der Sang war gesungen, der Kampf war begonnen.
Blut schien auf den Wangen, froh kämpften die Franken.
Da focht der Degen keiner so wie Ludwig
Tapfer und kühn: das war ihm angeboren.
Manchen durchschlag er, manchen durchstach er,
Seinen Feinden schenkte er ein Getränk
Bitteren Leides. Weh ihnen und immer weh!
Gelobt sei Gottes Kraft! Ludwig war sieghaft.
Und allen Heiligen Dank! Sein war der Siegkampf.
Heil aber Ludswig, König kampfselig!
So bereit wie er stets war, wo irgend Not war,
Erhalte ihn der Herr bei seiner Herrlichkeit.

 





 


 

Return to: German 222