Paul Flemings Gedichte
Ich feure gantz und brenne liechter Loh.
Die Trähnen hier sind meiner Flammen Ammen /
Die mich nicht lässt diß stete Leid verthammen;
ich kenn' es wohl / was mich kan machen froh /
Daß ich fortan nicht dürffte weinen so.
Wo aber ists? So müssen nun die Flammen
hier über mir nur schlagen frey zusammen.
Mein Schirm ist weg / mein Schutz ist anders wo.
Ist gantz nichts da / daran ich mich mag kühlen /
In solcher Gluth / die meine Geister fühlen?
Der Liebes-Durst verzehrt mir Marck und Bein.
Diß Wasser ists / die Kühlung meiner Hitze /
Das ich zum Trunck' aus beyden Augen schwitze.
Ich zapfe selbst / und Amor schenckt mir ein.
So zeuch auch du denn hin in dein Elyserfeld /
Du Pindar / du Homer / du Maro unsrer Zeiten /
und untermenge dich mit diesen grossen Leuten /
Die gantz in deinen Geist sich hatten hier verstellt.
Zeuch jenen Helden zu / du jenen gleicher Held /
Der itzt nichts gleiches hat. Du Hertzog deutscher Seiten;
O Erbe durch dich selbst der steten Ewigkeiten;
O ewiglicher Schatz und auch Verlust der Welt.
Germanie ist tod / die Herrliche / die Freye /
Ein Grab verdecket sie und ihre gantze Treue.
Die Mutter die ist hin; Hier liegt nun auch ihr Sohn /
Ihr Recher / und sein Arm. Last / last nur alles bleiben
Ihr / die ihr übrig seyd / und macht euch nur darvon.
Die Welt hat warlich mehr nichts würdigs zu beschreiben.
O liebliche Wangen,
Ihr macht mir Verlangen,
Dies rote, dies weiße
Zu schauen mit Fleiße.
Und dies nur alleine
Ist's nicht, was ich meine;
Zu schauen, zu grüssen,
Zu rühren, zu küssen!
Ihr macht mir Verlangen,
O liebliche Wangen!
O Sonne der Wonne!
O Wonne der Sonne!
O Augen, so saugen
Das Licht meiner Augen.
O englische Sinnen!
O himmlisch Beginnen!
O Himmel auf Erden,
Magst du mir nicht werden,
O Wonne der Sonne!
O Sonne der Wonne!
O Schönste der Schönen!
Benimm mir dies Sehnen,
Komm, eile, komm, komme,
Du süße, du fromme!
Ach, Schwester, ich sterbe,
Ich sterb', ich verderbe,
Komm, komme, komm, eile,
Benimm mir dies Sehnen,
O Schönste der Schönen!
Ihr lebet in der Zeit / und kennt doch keine Zeit /
So wisst Ihr Menschen nicht von / und in was Ihr seyd.
Diß wisst Ihr / daß ihr seyd in einer Zeit gebohren.
Und daß ihr werdet auch in einer Zeit verlohren.
Was aber war die Zeit / die euch in sich gebracht?
Und was wird diese seyn / die euch zu nichts mehr macht?
Die Zeit ist was / und nichts. Der Mensch in gleichem Falle.
Doch was dasselbe was / und nichts sey / zweifeln alle.
Die Zeit die stirbt in sich / und zeucht sich auch aus sich.
Diß kommt aus mir und dir / von dem du bist und ich.
Der Mensch ist in der Zeit; sie ist in ihm ingleichen.
Doch aber muß der Mensch / wenn sie noch bleibet / weichen.
Die Zeit ist / was ihr seyd / und ihr seyd / was die Zeit /
Nur daß ihr Wenger noch / als was die Zeit ist / seyd.
Ach daß doch jene Zeit / die ohne Zeit ist kähme /
Und uns aus dieser Zeit in ihre Zeiten nähme.
Und aus uns selbsten uns / daß wir gleich köndten seyn /
Wie der itzt / jener Zeit / die keine Zeit geht ein!
Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren!
Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid,
vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid,
hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.
Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren;
nimm dein Verhängnis an. Laß alles unbereut.
Tu, was getan muß sein, und eh man dir's gebeut.
Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.
Was klagt, was lobt man noch? Sein Unglück und sein Glücke
ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an:
dies alles ist in dir. Laß deinen eitlen Wahn,
und eh du fürder gehst, so geh in dich zurücke.
Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann,
dem ist die weite Welt und alles untertan.
Wie er wolle geküsset seyn
Nirgends hin / als auff den Mund /
da sinckts in deß Hertzens Grund.
Nicht zu frey / nicht zu gezwungen /
nicht mit gar zu fauler Zungen.
Nicht zu wenig / nicht zu viel!
Beydes wird sonst Kinder-spiel.
Nicht zu laut / und nicht zu leise /
Beyder Maß' ist rechte Weise.
Nicht zu nahe / nicht zu weit.
Diß macht Kummer / jenes Leid.
Nicht zu trucken / nicht zu feuchte /
wie Adonis Venus reichte.
Nicht zu harte / nicht zu weich.
Bald zugleich / bald nicht zugleich.
Nicht zu langsam / nicht zu schnelle.
Nicht ohn Unterscheid der Stelle.
Halb gebissen / halb gehaucht.
Halb die Lippen eingetaucht.
Nicht ohn Unterscheid der Zeiten.
Mehr alleine denn bei Leuten.
Küsse nun ein Jedermann /
wie er weiß / will / soll und kan.
Ich nur und die Liebste wissen /
wie wir uns recht sollen küssen.
Ist dieses nun das süße Wesen /
nach dem mich so verlanget hat?
Ist dieses der gesunde Rath /
ohn den ich kundte nicht genesen?
und ist diß meines Wehmuths Frucht /
die ich so emsig auffgesucht?
O Feind! O Falscher! O Tyranne!
Kupido / das ist deine List.
Der bist du / der du allzeit bist.
Du hast mich nun in deinem Banne.
Der Dienst der falschen Ledigkeit
hat meiner Freyheit mich entfreyt.
Wie unverwirrt ist doch ein Hertze /
das nicht mehr als sich selbsten kennt /
von keiner fremden Flamme brennt.
Selbst seine Lust / und selbst sein schmertze.
Seit daß ich nicht mehr meine bin /
So ist mein gantzes Glücke hin.
Sie / diß Mensch / diese Halb-göttinne /
Sie / die ists / mein erfreutes Leid.
Die Krafft der starcken Trefligkeit
treibt mich aus mir und meinem Sinne.
So daß ich sonst nichts ümm und an /
als sie nur / achten muß und kan.
Ich schlaff' ich träume bey dem wachen.
Ich ruh' / und habe keine Ruh'.
Ich thu / und weiß nicht / was ich thu.
Ich weine mitten in dem lachen.
Ich denck'. Ich mache diß und das.
Ich schweig'. Ich red' / und weiß nicht / was.
Die Sonne scheint für mich nicht helle.
Mich kühlt die Glut. Mich brennt das Eyß.
Ich weiß / und weiß nicht / was ich weiß.
Die Nacht tritt an deß Tages Stelle.
Itzt bin ich dort / itzt da / itzt hier.
Ich folg' / und fliehe selbst für mir.
Bald billig' ich mir meinen Handel.
Bald drauf verklag' ich mich bey mir.
Ich bin verendert für und für /
und standhafft nur in stetem wandel.
Ich selbst bin mit mir selbst nicht eins.
Bald will ich alles / bald gar keins.
Wie wird mirs doch noch endlich gehen.
Ich wohne nunmehr nicht in mir.
Mein Schein nur ist es / den ihr hier
in meinem Bilde sehet stehen.
Ich bin nun nicht mehr selber Ich.
Ach Liebe / worzu bringst du mich!
Noch dennoch bleib' ich Ihr / muß ich Sie gleich verlassen /
und meyne Sie / muß ich gleich ihr entzogen seyn /
bezwungen durch das Thun / das unsern Trost und Pein
verwechselt / wie es will. Ich will mein Trübnüß massen /
Thun wie ein Weiser thut. Ein großes Hertze fassen.
Seyn meine / wie ich soll. Sie aller Tugend schein /
mein alles und auch nichts / ist nicht / und ist doch mein'.
Hass' ich das schöne Kind / so muß ich selbst mich hassen.
Verhängnüß / schone nicht. Reiß sie nur immer hinn.
Du raubst mir ihren Leib nicht aber ihren Sinn /
der nun und nimmermehr von mir spricht sich zu lencken.
Mir bleibt dein bester Theil / O meiner Seelen Licht /
und darff ich künfftig schon / Lust / dich besitzen nicht /
So darff ich deiner doch mit Freuden stets gedencken.
Ich war an Kunst / und Gut / und Stande groß und reich.
Deß Glückes lieber Sohn. Von Eltern guter Ehren.
Frey; Meine. Kunte mich aus meinen Mitteln nehren.
Mein Schall floh überweit. Kein Landsmann sang mir gleich.
Von reisen hochgepreist; für keiner Mühe bleich.
Jung / wachsam / unbesorgt. Man wird mich nennen hören /
Biß daß die letzte Glut diß alles wird verstören.
Diß / Deütsche Klarien / diß gantze danck' ich Euch.
Verzeiht mir/ bin ichs werth / Gott / Vater / Liebste / Freunde.
Ich sag' Euch gute Nacht / und trette willig ab.
Sonst alles ist gethan / biß an das schwartze Grab.
Was frey dem Tode steht / das thu er seinem Feinde.
Was bin ich viel besorgt / den Othem auffzugeben?
An mir ist minder nichts / das lebet / als mein Leben.