PFAFFE KONRAD'S ROLANDSLIED (ca 1130-Rheinfränkisch)
A translation of the famous Chanson de Roland consisting of of 9094 verses.
Although the author, who calls himself der Pfaffe Konrat, claims that he added
and omitted nothing, one sees through a comparison with the French text as known
not only many additions and many omissions but also a somewhat different spirit: Kaiser
Karl and his men fight for the cross, for the glory of Christian martyrdom, not for France.

At the beginning of the poem one finds the following situation: the Christians have
conquered all of Spain except Saragossa and Marsilie, the King of Saragossa, sends
envoys with a treacherous proposal of surrender. He hopes thereby to persuade Karl
to withdraw most of his army from Spain.

Iines 675-708: Kaiser Karl

Die Boten traten vor,
Sehr oft fielen sie nieder,
In seidenem Gewande,
Mit Palmen in der Hand.
Immer wieder aufs neue
Fielen sie zur Erde nieder.
Sie fanden den Kaiser fürwahr
Über dem Schachbrette.
Sein Antlitz war wonniglich.
Es gefiel den Boten sehr,
Dass sie ihn sehen durften.
Es glänzten ja seine Augen
Wie der Morgenstern.
Man erkannte ihn von weitem,
Niemand brauchte zu fragen,
Welcher der Kaiser wäre;
Keiner war ihm ähnlich.
Sein Antlitz war herrlich.
Mit ganz geöffneten Augen
Konnten sie ihn nicht ansehn:
Der Glanz blendete sie
Wie die Sonne zu Mittag.
Den Feinden war er schrecklich,
Den Armen war er vertraut,
Im Unglück war er gnädig,
Gott gegenüber war er treu.
Er war ein gerechter Richter,
Er lehrte uns die Gesetze,
Ein Engel schrieb sie ihm vor;
Er verstand alle Rechte,
Im Kampf ein guter Knecht,
In aller Tugend ausgezeichnet.
Freigebigerer Herr ward nie geboren.

Lines 2018-2110: The traitor Genelun
delivers Karl's message to Marsilie.

Der Bote sprach zu Marsilie:
Der König aller Himmel,
Der uns von der Hölle erlöste
Und die Seinen tröstete,
Der gebe dir Gnade,
Dass du seinen Frieden habest,
Und rette dich vom ewigen Tode.
Der Konig von Rom entbietet dir,
Dass du Gott ehrest,
Dich zum Chrisientum bekehrest,
Dich taufen lassest,
An Einen Gott glaubest;
Davon will er Gewissheit haben.
Er Lässt dir wahrlich sagen:
Empflingst du das Christengesetz,
Soll dein Land in Frieden bleiben.
Er belehnt dch mit halb Spanien,
Den andern Teil soll Roland haben;
Und wirst du sein Mann,
So behältst du grosse Ehre
Der Kaiser entbietet dir ferner:
Greifst du etwa zur Gegenwehr,
Sucht er dich mit einem Heere auf.
Er zerstört alle deine Häuser
Und vertreibt dich daraus.
Weder auf Erden noch auf dem Meere
Magst du dich seiner erwehren.
Er lässt dich fangen,
Auf einem Esel fuhren
Vor seinen Thron zu Achen;
Da nimmt er Rache an dir: _
Er lässt dir das Haupt abschlagen.
Das soll ich dir vom Kaiser sagen."
Marsilie blickte umher,
Er wurde sehr bleich,
Er hatte ängstliche Gedanken,
Er konnte kaum sitzen auf der Bank,
Es ward ihm kalt und heiss,
Hart plagte ihn der Schweiss,
Er schüttelte den Kopf,
Er sprrang hin und her.
Seinen Stab ergriff er,
Mit Zorn hob er ihn empor,
Nach Genelun schlug er.
Genelun mit List
Wich dem Schlage aus
Er trat vor dem König zurück,
Das Schwert ergriff er,
Er blickte auf ihn zurück,
Er sagte zu dem König:
"Du übst also Gewalt."
Halb zog er das Schwert,
Er sprach: "Karl, meinem Herrn,
Diente ich immer mit Ehren.
In harten Volkskämpfen
Erwirkte ich mit dem Schwert,
Dass ich nie beschimpt ward.
Ich brachte dich mit Ehren hierher,
Ich habe dich lange geführt.
Noch niemals bin ich gefangen.
Und vollbringst du den Schlag,
So ist es dein letzter Tag;
Oder aber ich sende zum Tode
Irgend welchen Heiden,
Dessen Verlust du nie verschmerzest.
Ich wähne, du tobst oder rasest.
Jetzt muss ich bereuen,
Dass ich deinen Ungetreuen
Jemals folgte diesen Weg.
Man hat mich im Stich gelassen,
Ich stehe nun ganz allein.
Was ist aus den Eiden geworden,
Die sie mir schworen,
Als wir fortkamen?
Die Fürsten sprangen auf,
Sie drangen dazwischen,
Sie verwiesen es dem König
Sie sagten: " Herr, du tust übel,
Den Kaiser so zu beschimpfen.
Wenn du zu ihm sendest,
Wird deine Botschaft
Ruhmvoll zu Ende gcführt.
Sie sprechen uns Treue ab;
Nun müssen wir bereuen,
Dss Friede je gemacht ward.
Du liessest ja seine Mannen köpfen.
Nun gebiete deinem Zorn!
Wir wollen gern vermittel,
Und das noch mehr,
O Herr wegen deiner Ehre
Als um seinetwillen.
Stille nun deinen Unmut!"

 

lines 3394-3488 The preparations for the battle.
(After having been deceived by Genelun, Kaiser Karl has
returned to Germany, leaving Roland with a small army in Spain
.

Als die Helden vernahmen,
Dass die Heiden sich sammelten,
Baten sie ihre Priester
Sich fertig zu machen; Diese griffen ihr Amt an.
Den Leib Gottes empfingen sie
Sie fielen zum Gebet nieder,
Sie riefen zum Himmel
Viele Stunden hindurch
Sie beschoren Gott bei den Wunden
Wodurch er die seinen erlöste
Dass er sie tröste,
Dass er ihnen ihre Sünden vergebe
Und selbst ihr Zeuge sei.
Mit Beichte machten sie sich fertig.
Zum Tode rüsteten sie sich ,
Und waren jedoch gute Knechte,
Zum Märtyrtum bereit
um ihrer Seelen wilen
Sie waren Gottes Degen
Nicht wollten sie entfliehen
Sie wollten wieder gewinnen
Unsere alte Erbschaft.
Danach strebeten die Helden
Ja führten die edlen Herren
Ein christliches Leben.
Alle hatten eine Gesinnung,
Ihre Herzen waren mit Gott
Sie hatten Zucht und Scham,
Reinheit und Gehorsam,
Geduld und Minne;
Sie branntcen währlieh im Innern
Nach der Süsse Gottes.
Sie sollen uns helfen,
Dieses arme Leben zu vergessen;
Denn jetzt besitzen sie Gottes Reich.
Als die Degen Gottes
Mit Psalmen und Segen,
Mit Beichte und Glaube,
Mit tränenden Augen,
Mit grosser Demut,
Mit mancherlei Gutem,
Sich zu Gtt gewendet,
Ihre Seelen gelabt
Mit Himmelsbrote,
Mit dem Blute des Herrn,
zum ewigen Leben,
Da waffneten sie sich;
Gott lobten sie jetzt,
Sie waren allesamt froh,
Wie zu einem Brautlauf.
Sie heissen alle Gottes Kinder,
Die Welt verschmähten sie,
Sie brachten das reine Opfer.
Mit dem Kreuze geschmückt
Eilten sie gern zum Tode;l
Sie kauften das Reich Gottes
Soe waren einander treu
Was dem einen deuchte gut
Das war die Meinung aller.
David der Psalmist
Hat von ihnen geschrieben,
Wie Gott, mein Herr, die belohnt,
Die brüderlich zusammenhalten.
Er gibt ihnen selbst seinen Segen;
Sie sollen immcr fröhlich leben.
Eine Zuversicht und Eine Minne,
Ein Glaube und Eine Hoffnung,
Eine Treue war in ihnen allen.
Keiner liess den andern im Stiche,
Für alle war Eine Wahrheit;
Des freut sich die Christenheit.
Die verbrecherischen Heiden,
Die Gott nicht fürchteten,
Hoben ihre Abgötter empor
Mit grosser Hochfahrt kamen sie,
Sie fielen vor Mahmet nieder;
Er war ihr ganzes Gebet,
Dass er ihnen erlaube,
Roland zu enthaupten,
Und, wenn sie ihn erschlagen,
Sein Haupt vor sich zu tragen.
Sie versprachen ihn zu ehren,
Sein Lob immer zu mehren
Mit Tanz und Saitenspiel
Des Übermuts war da viel.
Sie vertrauten ihrer Kraft,
Sit wussten nicht recht
Dass wer gegen Gott strebt,
Der ohne Gott lebt.
Sie verschmähten ihren Schöpfer,
Unsern wahren Heiland,
Den obersten Priester,
Der keinen ohne Trost lässt
Wenn er mit Demut
Suchet das Gute.

Lines 6053-6113 After having fought courageously,
Roland and his men are about to be overwhelmed by
the much larger heathen forces; he blows his horn,
and it is heard by the emperor in Germany.

Roland fasste mit beiden Händen
Den guten Olivant
Und setzte ihn an den Mund.
Er begann zu blasen;
Der Schall ward so gross,
Es lärmte so unter den Heiden,
Dass keiner den andern hören konnte.
Sie verstopften selbst die Ohren.
Die Hirnschale barst ihm,
Dem guten Weigande; :
Alles änderte sich an ihm, ~
Er komnte kaum noch sitzen,
Sein Herz zerbrach innen.
Seine bekannte stimme
Vernahmen sie allesamt,
Der Schall flog ins Land.
Bald kam zu Hofe das Märe
Das des Kaisers Bläser
Bliesen alle zugleich.
Dann wusste man wahrlich,
Das die Helden in Not waren.
Da gabe es ein grosses Jammern.
Der Kaiser schwitzte vor Angst,
Er verlor zum Teil die Fassung.
Er ward sehr ungeduldig.
Das Haar riss er von der Haut;
Da machte starke Vorstellungen
Genelun der Verräter;
Er sprach: "Dies Ungestüm
Geziemt nicht einem König.
Du betrügst dich ungebührlich.
Was hast du dir vorzuwerfen?
Den Roland, wie er im Grase schlief
Hat wohl eine Bremse gebissen.
Oder er jagt wohI einen Hasen;
Dass das Blasen eines Hornes
Dich so ausser Fassung bringt! "
Der Kaiser sprach zu ihm:
"Weh dass ich dich je gesehen
Oder Kenntnis von dir gewonnen!
Das beklage ich immer vor Gott.
Von dir allein
Muss Frankreich immer weinen.
Wegen des grossen Schatzes,
Den Marsilie dir gab,
Hast du den Mord vollbracht.
Ich räche ihn, wenn ich's vermag.
Was trieb dich dazu?"
Auf sprang der Herzog Naimes,
Er sprach: "Du Teufels Mann,
Du hast schlimmer als Judas getan,
Der unsern Herrn verriet.
Nie verwindest du diesen Tag.
Dies hast du gebraut,
Du sollst es wahrlich trinken."
Er hätte ihn gern erschlagen,
Der Kaiser hiess ihn abstehen;
Er sprach: "Eine andere sein seine strafe.
Ich will hernach über ihn richten;
Und wenn das Urteil ergeht,
Er stirbt wohl einen schlimmeren Tod."

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